Ergebnisse – Biomechanik

Ergebnisse – Biomechanik

Das gestestete Schuhmodell crivit PRO ist in den überprüften biomechanischen Eigenschaften vergleichbar mit den beiden Markenreferenzmodellen Asics Nimbus 18 und Nike Pegasus 33. Der Schuh zeigte vergleichbare Dämpfungs- und Stützcharakteristika und wies auch in der Bodenkontaktzeit keine Unterschiede auf. Die gemessenen Belastungswerte beim frühen Bodenkontakt waren durchweg niedrig, was auf gute Dämpfungseigenschaften des Schuhs schließen lässt. Auch bei der Pronationskontrolle zeigte der crivit PRO funktionale Werte, was man an den  niedrigen Pronationswerten erkennen kann.

Das getestete Schuhmodell crivit PRO zeigte in keinem der biomechanischen Tests signifikante Unterschiede zu den hochpreisigen Markenschuhen. Die beiden Markenschuhmodelle wurden in vielen Vormodellen weiterentwickelt und werden als Benchmark mit hervorragenden biomechanischen Eigenschaften eingeschätzt.

Dämpfung

Die Dämpfung als einer der wichtigsten Merkmale von Laufschuhen kann sehr valide über den biomechanischen Parameter Kraftanstiegsrate evaluiert werden (s.o). Bei der vorliegenden Untersuchung zeigten der crivit PRO und der Asics Nimbus 18 die niedrigsten Kraftanstiegsraten, also die höchsten Dämpfungseigenschaften. Zwischen crivit PRO und Asics Nimbus 18 zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede, die Dämpfungseigenschaften können also als vergleichbar angesehen werden. Im Gegensatz dazu konnten beim Nike Pegasus 33 statistisch signifikant höhere Kraftanstiegsratenwerte im Vergleich zum Asics Nimbus 18 (-27%, p<0,001) und crivit PRO  (-20%, p<0,01) gemessen werden. Der Nike Pegasus 33 zeigte also im Testfeld die niedrigsten Dämpfungseigenschaften.

Abbildung 1: Dämpfungsparameter Kraftanstiegsrate. Dargestellt sind die Mittelwerte und die 95% Konfidenzintervalle.


Pronation

Zur Beurteilung der Pronationskontrolle werden zwei Parameter herangezogen. Zum einem die maximale Pronation, also das nach innen Knicken des Fußes im unteren Sprunggelenk, sowie die maximale Geschwindigkeit dieser Pronationsbewegung. Insbesondere die maximale Pronationsgeschwindigkeit wird in der Literatur immer wieder in Zusammenhang mit der Entstehung von Überlastungsbeschwerden gebracht. Grundsätzlich lässt sich tendenziell sagen, je geringer die Pronationswerte, umso besser die Stabilitätseigenschaften des Schuhs. Der Normbereich (abhängig von der Messmethode) liegt für maximale Pronationswerte beim Laufen um die 10°, für die Pronationsgeschwindigkeit zwischen 400-700°/s.

Abbildung 2: Maximale Pronation in Grad. Niedrigere Werte verdeutlichen eine höhere Stabilitätskontrolle des Schuhs und werden tendenziell eher als vorteilhafter angesehen. In dieser Untersuchung zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den getesteten Schuhmodellen.

Im vorliegenden Test unterschieden sich die getesteten Schuhmodell weder im maximalen Pronationswinkel noch in der maximalen Pronationsgeschwindigkeit signifikant voneinander. Obwohl keines der getesteten Schuhmodelle speziell als Stabilitätsschuh mit starker Pronationskontrolle ausgewiesen ist, zeigten alle drei Modelle recht geringe Pronationswerte, demnach eine gute Stabilitätskontrolle.

Abbildung 3: Maximale Pronationsgeschwindigkeit in Grad pro Sekunde. Niedrigere Werte verdeutlichen eine höhere Stabilitätskontrolle des Schuhs und werden tendenziell eher als vorteilhafter angesehen. In dieser Untersuchung keine signifikanten Unterschiede zwischen den getesteten Schuhmodellen.


Fußaufsatzwinkel

Der Fußaufsatzwinkel ist der Indikator für die Lauftechnik. Mit ihm kann man sehen, ob der Läufer einen Vor-, Mittel- oder Rückfußaufsatz durchführt. Üblicherweise führen ca. 70% der Läufer einen Rückfußlauf aus. Schuhe mit sehr geringer Dämpfung können dazu führen, dass Läufer von Rückfuß- auf einen Vorfußlaufstil wechseln. Sie kompensieren damit die mangelnde Dämpfung und ermöglichen es, die Stoßbelastung des initialen Bodenkontakts über körpereigene Mechanismen zu dämpfen. Durch solche Anpassungen werden andere Strukturen z.T. sehr stark belastet. Daher sollte bei Schuhen, die bei Läufern eine derartige Veränderung erzwingen, darauf hingewiesen werden. Aus diesem Grund wurde auch in dieser Auswertung der Fußaufsatzwinkel analysiert.

Die Fußaufsatzwinkel der drei Schuhmodelle unterscheiden sich nicht signifikant zueinander. Die Probanden zeigten in allen Schuhen einen Rückfußlaufstil mit Schuh-Untergrundwinkeln beim initialen Bodenkontakt von 7-9°. Diese Werte liegen im Normbereich für den klassischen Rückfußlauf.

Abbildung 4: Schuh zu Untergrundwinkel beim initialen Bodenkontakt in Grad. Positive Werte bedeuten die Ferse setzt zuerst auf dem Boden auf, bei negativen Werten würde der Läufer zuerst mit dem Vorfuß den Boden berühren. In dieser Untersuchung keine signifikanten Unterschiede zwischen den getesteten Schuhmodellen.


 Bodenkontaktzeit

Die Bodenkontaktzeit beschreibt die Verweildauer des Fußes auf dem Boden während eines Bodenkontaktes. Die üblichen Werte beim Laufen liegen zwischen 200-300 ms. Abweichungen von diesen Standardwerten lassen auf eine Umstellung der Lauftechnik schließen, z.B. in Richtung eines Vorfußlaufstils.

In unserer Untersuchung liegen die Werte aller getesteten Schuhe innerhalb des üblichen Wertefensters, signifikante Unterschiede zwischen den Schuhen bestanden nicht.

Abbildung 5: Bodenkontaktzeit – Verweildauer des Fußes auf dem Boden während eines Bodenkontakts. In dieser Untersuchung keine signifikanten Unterschiede zwischen den getesteten Schuhmodellen.