Aktueller Trainingsschuhtest

Trainingsschuh-Test Sommer 2017

Trainingsschuhe gehören zu den Sportschuhen mit einem sehr breiten und schwer zu definierenden Anforderungsprofil. Sie sollten den Sportler funktional in diversen Trainingsbereichen unterstützen, wobei diese Trainingsbereiche höchst unterschiedliche Anforderungen an den Schuh stellen. Bei kraftsportorientierten Trainingsinhalten stehen vor allem Stabilität und Traktion im Vordergrund, bei dynamischen und reaktiven Trainigsinhalten hingegen wird von dem Schuh Flexibilät, geringes Gewicht und eine gute Vorfußdämpfung erwartet. Zusätzlich gehört Laufen mit unterschiedlicher Intensität ebenfalls als Grundbaustein in den allgemeinen Trainingskanon und wird dementsprechend auch von den Markenherstellern beworben. Von daher sollte ein guter Trainingsschuh auch beim Laufen hohen Komfort und Funktionalität bieten. Schließlich wird beim intensiven Training, insbesondere indoors, viel Wärme und Schweiß produziert, daher sollte fußklimatische Eigenschaften (Temperatur und Feuchtigkeit) ebenfalls Berücksichtigung finden. Um diesen breiten Kanon adäquat in den Trainingsschuhtest einfließen zu lassen, besteht der vorliegende Trainingsschuhtest aus (a) einem biomechanischen Teil mit 3D Laufanalyse und (b) einem subjektiven Teil mit der Beurteilung der Trainingsschuhe durch erfahrene Probanden, die einen Traininsparcour absolvierten.
Neben dem Trainingsschuh von crivit PRO – TS haben wir die beiden Benchmarkschuhe mit größter Verbreitung (Nike Metcon 2017, Reebok Nano 2017) als Vergleichsschuhe herangezogen. Bei der Laufanalyse wurde zusätzlich mit dem Nike Pegasus ein Laufschuh mit in den Test integriert, an dem sich unsere Trainingsschuhe biomechanisch messen sollten. Getestet wurden Männer- und Frauenmodelle, in der folgenden Abbildung und Tabelle sind die getesteten Schuhmodelle kurz vorgestellt.


Zusammenfassung der Schuhparameter

Während sich bei der Schuhaußenlänge und der Vorfußbereite keine gravierenden Unterschiede zeigten, fiel der crivit PRO – TS bei der Vorfußbreite tendenziell etwas schmaler aus als die anderen Modelle. Insgesamt waren alle drei Trainingsschuhe etwas schwerer als ein gewöhnlicher Laufschuh, was durch den höheren Bedarf an stabilen Materialien liegen dürfte und keine nennenswerte Schwierigkeit darstellen sollte. Bei dem Gewicht der Frauenschuhe war der Reebok Nano etwas schwerer als die beiden anderen Modelle, bei den Männerschuhen fiel der crivit PRO – TS schwerer aus als die Markenbenchmarks.


Bodenkontaktzeit

Die Bodenkontaktzeit beschreibt die Verweildauer des Fußes auf dem Boden während eines Schrittes. Die üblichen Werte beim Laufen liegen zwischen 200-300ms. Abweichungen von diesen Standardwerten lassen auf eine Umstellung der Lauftechnik schließen, z.B. bei kürzeren Zeiten in Richtung eines Vorfußlaufstils.
In unserer Untersuchung lagen die Werte aller getesteten Schuhe innerhalb des üblichen Wertefensters, signifikante Unterschiede zwischen den Schuhen bestanden nicht (p=0.149). Auch gegenüber dem Laufschuh Nike Pegasus ließen sich keine Unterschiede ausmachen. Von daher kann davon ausgegangen werden, dass durch keinen der Schuhe ein massiver Wechsel der Lauftechnik ausgelöst wurde.

Fußaufsatz

Winkel bei initialem Fußaufsatz
Der Fußaufsatzwinkel ist der Indikator für die Lauftechnik, mit ihm kann man sehen, ob der Läufer einen Vor-, Mittel- oder Rückfußaufsatz durchführt. Üblicherweise führen ca. 70% der Läufer einen Rückfußlauf aus. Schuhe mit sehr geringer Dämpfung können dazu führen, dass Läufer von Rückfuß- auf einen Vorfußlaufstil wechseln. Sie kompensieren damit die mangelnde Dämpfung des Schuhs und ermöglichen die Stoßbelastung des initialen Bodenkontakts über körpereigene Mechanismen zu dämpfen. Durch solche Anpassungen werden andere Strukturen z.T. sehr stark belastet. Daher sollte bei Schuhen, die bei Läufern eine derartige Veränderung erzwingen, darauf hingewiesen werden. Aus diesem Grund wurde auch in dieser Analyse der Fußaufsatzwinkel analysiert.
Die Probanden verwendeten bei allen Schuhmodellen einen Rückfußaufsatz mit Aufsatzwinkeln zwischen 22 und 25,5°. Ein signifikanter Unterschied von ca. 2,5° konnte nur zwischen den Nike Pegasus und Nike Metcon beobachtet werden, was evtl. auf die sehr steife nach hinten ausstehende Sohlenkonstruktion des Nike Metcon zurückzuführen sein könnte. Der crivit PRO – TS Testschuh unterscheidet sich nicht von den anderen Schuhen und orientiert sich von seinen Werten am ehesten an dem Laufschuh Nike Pegasus.

Maximale Plantarflexionsgeschwindigkeit
Die max. Plantarflexionsgeschwindigkeit ergibt sich beim Rückfußlauf durch das Abklappen des Fußes direkt nach initialem Bodenkontakt. Durch die Verwendung von Laufschuhen vergrößert sich der Hebel um die Drehachse im Sprunggelenk, was wiederum die Winkelgeschwindigkeit erhöht, mit der der Fuß nach dem ersten Fersen-Boden-Kontakt in die flache Fußposition der weiteren Standphase wechselt. Zu hohe Winkelgeschwindigkeiten erhöhen die Belastung des M. tibialis anterior, des Muskels, der die Plantarflexion des Fußes muskulär kontrolliert. Dies kann zu Muskelkater oder in schlimmeren Fällen zu Überlastungserscheinungen im vorderen Bereich des Unterschenkels führen. Grundsätzlich wird in der Laufschuhkonstruktion daher versucht, den Hebel möglichst gering zu halten, indem z.B. ein crash-pad (eine Eingleitzone) im hintersten Teil der Ferse integriert wird. Hiermit wird der Abstand zwischen initialem Auftreffpunkt und Drehachse im Sprunggelenk reduziert.
Bei den getesteten Schuhmodellen konnten keine signifikanten Unterschiede in der Plantarflexionsgeschwindigkeit beobachtet werden (p=0.503). crivit PRO – TS und Nike Pegasus hatten die niedrigsten Geschwindigkeiten, während die beiden Markentrainingsschuhe tendenziell 3-6% höhere Werte zeigten, allerdings wiesen diese Unterschiede keine statistische Signifikanz auf. Eine Erklärung könnte sein, dass der Fersenhebel bei den Markenschuhen ungünstig erhöht ist, da der Nike Metcon eine nach hinten ausladende Sohlenkonstruktion aufweist und der Reebok Pegasus durch eine sehr harte Sohle gekennzeichnet ist.

 

Dämpfung – biomechanisch

Kraftanstiegsrate
Die Dämpfung als einer der wichtigsten Merkmale von Laufschuhen kann sehr valide über den biomechanischen Parameter der Kraftanstiegsrate evaluiert werden. Bei der vorliegenden Untersuchung lagen signifikante Unterschiede vor (p=0.000). Die beiden Markentrainingsschuhe zeigten die niedrigsten Kraftanstiegsraten während der crivit PRO – TS die höchste im Test zeigte. Der Laufschuh Nike Pegasus lag zwischen den Markenreferenzen und dem crivit PRO – TS. Die Sohlenkonstruktion des crivit PRO – TS ist vergleichsweise hart und der Federweg durch die niedrige Sohlenhöhe recht kurz, so dass evtl. ein „Durchschlagen“ der Ferse die erhöhten Werte erklären kann. Allerdings liegen die Dämpfungswerte lediglich 17% über denen eines sehr guten Laufschuhs, so dass die Dämpfung des Schuhs für Trainingszwecke durchaus als adäquat eingestuft werden kann.

Pronation

Zur Beurteilung der Pronationskontrolle werden zwei Parameter herangezogen. Zum einem die maximale Pronation (das Nach-Innen-Knicken des Fußes im unteren Sprunggelenks) sowie die maximale Pronationswinkelgeschwindigkeit, also die Geschwindigkeit, mit der diese Knickbewegung passiert. Insbesondere die maximale Pronationsgeschwindigkeit wird in der Literatur immer wieder in Zusammenhang mit der Entstehung von Überlastungsbeschwerden gebracht. Grundsätzlich lässt sich sagen, je geringer die Pronationswerte, umso besser die Stabilitätseigenschaften des Schuhs. Der Normbereich (abhängig von der Messmethode) liegt für maximale Pronationswerte beim Laufen um die 10°.
Im vorliegenden Test unterschieden sich die Schuhmodelle weder im maximalen Pronationswinkel noch in der maximalen Pronationsgeschwindigkeit signifikant voneinander. Tendenziell zeigte der crivit PRO – TS jedoch die größte Pronationseinschränkung. Obwohl keiner der getesteten Schuhmodelle speziell als Stabilitätsschuh mit starker Pronationskontrolle ausgewiesen ist, zeigten alle Modelle recht geringe Pronationswerte, demnach eine gute Stabilitätskontrolle. Das lässt sich auf eine eher flache Sohlenkonstruktion zurückführen, die den Pronationshebel durch den geringen Fuß-Bodenabstand klein hält und somit die Pronationsbewegung nicht ungünstig beeinflusst.

Maximale Pronationsgeschwindigkeit

Maximales Pronationsausmaß

 

Kniewinkel

Läufer haben die Möglichkeit bei geringer Dämpfung durch den Laufschuh ihre körpereigene Dämpfung vermehrt in Anspruch zu nehmen. Beim Rückfußlauf spielt in diesem Zusammenhang weniger das Sprunggelenk eine Rolle als vielmehr das Kniegelenk, welches zur körpereigenen Dämpfung aktiviert werden kann. Dies würde sich in veränderten Kniebeugewinkeln bei Landung und bei maximaler Knieflexion widerspiegeln. Führt ein Schuh zu einer messbaren Veränderung der Kniebewegung sollte der Sportler darüber informiert sein, da eine plötzliche Veränderung der Kniebewegung die Anforderung an das Kniegelenk erhöht und somit Überlastungenschäden begünstigen kann.
In der vorliegenden Untersuchung konnten keine signifikanten Unterschiede in den Kniewinkeln bei initialem Bodenkontakt oder bei maximaler Kniebeugung beobachtet werden.

Kniewinkel bei initialem Bodenkontakt

 

Maximales Knieflexionsausmaß

 

Zusammenfassung biomechanische Testung

Auch wenn Trainingsschuhe nicht speziell als Laufschuhe konstruiert sind, zeigten die drei getesteten Trainingsschuhe Eigenschaften beim Laufen, die vergleichbar mit denen eines etablierten Laufschuhs waren. Somit ist aus biomechanischer Sicht eine Verwendung der Trainingsschuhe in Trainingseinheiten mit hohem Laufanteil sowie zur Trainingsaufwärmung mittels Laufeinheiten nichts einzuwenden. Als genereller Laufschuhersatz sind sie jedoch nicht zu empfehlen, da insbesondere die sehr geringe Sprengung (alle drei Trainingsschuhe haben weniger als 1cm Höhenunterschied zwischen Vor- und Rückfuß) eine hohe Zugspannung auf der Achillessehne erzeugt. Insbesondere bei Sportlern, die einen höheren Absatz gewohnt sind, kann diese Belastung bei hohen Trainingsumfängen zu Überlastungsbeschwerden an der Achillessehne führen.
Das getestete Trainigsschuhmodelle crivit PRO – TS zeigte durchweg gute biomechanische Eigenschaften im Labortest, vergleichbar mit denen der beiden Benchmarkmodelle von Nike und Reebok. Während seine guten Werte bei der Pronationskontrolle als Stärke hervorzugeben sind, müssen leichte Abstriche bei der Dämpfung gemacht werden.
Verarbeitungsmängel konnten bei diesem Test bei keinem der Testschuhe beobachet werden.


Subjektive Testung

In der subjektiven Testung absolvierten die Probanden mit jedem der drei Trainingsschuhe einen Trainingsparcour mit fünf Stationen (siehe Abbildung). Nach Durchführung der fünf Stationen füllten die Probanden eine Onlinefragebogen mit Items zu Dämpfung, Passform, Traktion, Flexibilität und Schuhklima aus, bevor sie mit dem nächsten Schuhmodell den Parcour wiederholten.

Dämpfung – subjektiv

Im Training werden viele Übungen durchgeführt, bei denen der Sportler auf dem Vorfuß landet wie z.B. bei Sprüngen, Sprints, Niedersprunglandungen. Von daher ist eine Dämpfung im Vorfußbereich sinnvoll, sie sollte allerdings nicht zu weich sein, da durch eine sehr weiche Sohle Energieeffizienz, Stabilität und Bodenwahrnehmung reduziert werden. Als optimale Einschätzung sind daher Werte in der Mitte der Skala anzusehen.
Die Probanden haben die crivit PRO – TS (47/100) und den Nike Metcon (45/100) deutlich weicher beurteilt als den Reebok Nano (29,5/100). Noch deutlicher war die Einschätzung der Rückfußdämpfung: Hier wurde der Reebok Nano mit 25/100 als sehr hart eingestuft während crivit PRO – TS und Nike Metcon mit jeweils ca. 45/100 mit einer mittleren Härte weder als weder zu hart als zu weich – also optimal – eingestuft wurden.

Vorfußdämpfung

Rückfußdämpfung

Traktion

Anders als bei reinem Lauftraining ergeben sich beim Fitnesstraining Bewegungen, die eine höhere Traktion / Bodenhaftung des Schuhs erforderlich machen. Hierzu zählen insbesondere Brems-, Cut- und Antrittsbewegungen. Weiterhin profitiert der Sportler bei einigen Übungen, wie sie im Testparcour durchgeführt wurden (Burpees oder Bergsteiger), von einer guten Traktion der Schuhe in Fußlängsachse, um sich optimal vom Boden abdrücken zu können.
Im Bereich der Traktion wurden erfreulicherweise allen drei Schuhmodellen mit Werten zwischen 67 und 77 von 100 gute bis sehr gute Traktionseigenschaften von den Probanden bescheinigt. Einen signifikanten Unterschied zwischen den Schuhmodellen gab es nicht.

 

Flexibilität

Das breite Anforderungsprofil an Trainingsschuhe zeigt sich in hohem Maße bei der Schuhflexibilität. Kraftsportorientiertes Schuhwerk orientiert sich hierbei an Gewichtheberschuhen und weist eine sehr hohe Steifigkeit auf, während fitnessorientiertes Schuhwerk eher ein hohes Maß an Flexibilität aufweist. Für Allround-Fitnessschuhe sollte aus unserer Sicht eher ein mittleres bis hohes Maß an Flexibilität vorliegen.

Im Test zeigte sich erneut die Zweiteilung der Testmodelle. Der Reebok Nano wies eine signifikant sehr viel höhere Steifigkeit auf als die beiden anderen Testschuhe. Nike Metcon und crivit PRO – TS hingegen wiesen eine mittlere Flexibilität auf, unterschieden sich untereinander jedoch nicht signifikant.

 

Komfort

Nike Metcon und crivit PRO – TS wurde mit 3,8 und 3,6 von fünf Sternen eine gute und tendenziell bessere Passform von unseren Probanden attestiert als dem Reebok Nano (3,0). Allerdings zeigte der crivit PRO – TS bei der Fixierung des Fußes im Schuh mittels Schnürung tendenziell leichte Schwächen gegenüber den Markenbenchmarks. Diese Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.
Beim Schuhklima zeigten alle Testmodelle ein gutes Schuhklima, das weder als zu feucht noch als zu warm eingeschätzt wurde.

Passform

 

Schuhklima – Feuchtigkeit

Schuhklima – Temperatur

 

Bewertung Gesamteindruck

Insgesamt bewerteten die Probanden die Testschuhe mit 2,8 bis 3,9 von fünf Sternen befriedigend bis gut. Am besten beurteilt wurde dabei der Nike Metcon (3,9) gefolgt vom crivit PRO – TS (3,2) und dem Schlusslicht Reebok Nano (2,7). In Anbetracht eines generell vorhandenen Markenbonus der beiden Markenbenchmarks ist die gute Beurteilung des Gesamteindrucks des crivit PRO – TSs von daher als sehr positiv zu beurteilen.


Fazit und zusammenfasssende Bewertung

Der crivit PRO – TS konnte bei unserem Test als Trainingsschuh überzeugen. Biomechanisch wies er vergleichbare Werte mit den Markenbenchmarks auf, mit einer leichten Stärke bei der Pronationskontrolle und leichten Abstrichen bei der Dämpfung. Die Dämpfungswerte lagen jedoch im akzeptablen Bereich und wurden von den Probanden nicht negativ wahrgenommen. Im Gegenteil, der crivit PRO – TS wurde bei der subjektiven Beurteilung sowohl bei der Rückfuß- als auch bei der Vorfußdämpfung von den Probanden ähnlich gut wie der Nike Metcon bewertet.
Insgesamt überzeugte der crivit PRO – TS die Probanden und erhielt durchweg gute Werte bei den subjektiven Einschätzungen. Im Kombination mit den guten Werten der biomechanischen Laufanalyse empfehlen wir den crivit PRO – TS als guten Allround Trainingsschuh, mit dem problemfrei auch kurze bis mittlere Laufübungen ins Training einfließen können.